Open Source und digitale Souveränität werden oft in einem Atemzug genannt, und das zu Recht: Einsehbarer Quellcode, freie Lizenzen und die Möglichkeit, ein Projekt zu forken, sind starke Argumente gegen Abhängigkeit. Aber Open Source beantwortet nicht die Frage, die dieses Verzeichnis stellt.
Die Frage ist: Wer steuert das Projekt?
Ein quelloffenes Projekt hat Maintainer, eine Governance, eine Roadmap und in vielen Fällen ein Unternehmen oder eine Stiftung, die den Kern der Entwicklung finanziert. Wenn diese Steuerung außerhalb Europas liegt, entscheidet jemand außerhalb Europas darüber, welche Funktionen kommen, welche Lizenz gilt und welche Versionen weiter gepflegt werden. Die Geschichte der letzten Jahre kennt mehrere Fälle, in denen quelloffene Projekte ihre Lizenz geändert haben – zum Nachteil derer, die sie einsetzen.
Was wir daraus ableiten
Wir listen Open-Source-Produkte, wenn das Projekt in Europa entstanden ist und dort federführend entwickelt wird. Das trifft auf viele Einträge im Verzeichnis zu – von Firewall-Betriebssystemen über Virtualisierung und Monitoring bis zur Groupware. Es trifft nicht auf alle bekannten Projekte zu, und deshalb fehlen einige Namen, die Sie vielleicht erwarten würden.
Was Open Source trotzdem leistet
Für die technische Kontrolle bleibt Open Source unschlagbar, unabhängig vom Ursprung: Wer den Code hat, kann prüfen, patchen und im Notfall selbst weiterentwickeln. Wir empfehlen deshalb, bei außereuropäischen Open-Source-Komponenten, auf die sich nicht verzichten lässt, auf europäische Anbieter für Support, Hosting und Integration zu setzen. Damit liegt zumindest die Betriebsverantwortung in Europa.