Was digitale Souveränität bedeutet

Eine Definition ohne Pathos – und drei Fragen, mit denen sich der Souveränitätsgrad einer Infrastruktur prüfen lässt.

Digitale Souveränität ist ein großer Begriff, der im Alltag auf eine einfache Frage hinausläuft: Kann ich über meine IT selbst entscheiden – heute und in fünf Jahren?

Die Frage hat drei Dimensionen.

Rechtliche Kontrolle

Wessen Recht gilt für meine Daten und meine Systeme? Ein Anbieter, der ausschließlich europäischem Recht unterliegt, kann Herausgabeersuchen aus Drittstaaten rechtssicher ablehnen. Ein Anbieter, der einem außereuropäischen Konzern gehört, kann das nicht, unabhängig davon, wo sein Rechenzentrum steht. Der Serverstandort ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung.

Technische Kontrolle

Kann ich das System verstehen, betreiben und anpassen? Offene Standards, dokumentierte Schnittstellen und im besten Fall einsehbarer Quellcode sorgen dafür, dass ein Unternehmen nicht auf das Wohlwollen eines einzelnen Herstellers angewiesen ist. Wer seine Daten exportieren und in ein anderes System importieren kann, ist souverän. Wer das nicht kann, ist Kunde auf Lebenszeit.

Wirtschaftliche Kontrolle

Kann ich den Anbieter wechseln, wenn Preis, Lizenzmodell oder Support nicht mehr passen? Diese Dimension ist in den letzten Jahren am sichtbarsten geworden: Lizenzumstellungen bei Virtualisierung, Büro-Software und Cloud-Diensten haben gezeigt, was Abhängigkeit kostet.

Warum europäische Hersteller?

Nicht, weil andere Produkte schlecht wären. Sondern weil bei europäischen Herstellern alle drei Dimensionen zusammenfallen: Sie unterliegen demselben Recht wie ihre Kunden, sie arbeiten häufig mit offenen Standards, und der Wettbewerb unter ihnen ist lebhaft genug, dass ein Wechsel möglich bleibt. Dieses Verzeichnis zeigt, dass es für jede Schicht der Unternehmens-IT solche Anbieter gibt.